Sobald man das erste Mal so richtig übers Ohr gehauen wurde, weiss man: Jetzt ist man in einem arabischen Land angekommen. Ahlan wa sahlan – welcome! Beirut bietet allerdings noch mehr. Die Stadt strotzt vor Vielfalt und Gegensätzen. Was einem zu Beginn auffällt, ist die starke Militärpräsenz auf den Strassen: Soldaten mit Kalaschnikovs und Panzer prägen immer noch das Stadtbild. Daneben erinnern Häuser mit Schusslöchern an den, vor noch nicht allzu langer Zeit zu Ende gegangen, Bürgerkrieg. Seit dem Krieg unberührte Hochhäuser, welche damals von Snippern bevorzugt wurden und dementsprechend auch mit allen möglichen Kaliebern beschossen wurden, stehen wie Grabsteine, mitten im heutzutage modernen Stadtzentrum, neben neu eröffneten Luxushotels und Restaurants.
Moscheen stehen Reihe an Reihe neben Kirchen. Ein Taxifahrer meinte voller Stolz zu uns: „Seht her. Hier haben wir eine Moschee und gleich daneben eine Kirche. Das gibt’s in Europa nicht!“ „Noch nicht.“ gab ich als Antwort. Nach 5 Minuten fuhr er fort: “Ach ja und hier ist übrigens die green line, die während Jahren umkämpfte unsichtbare Linie mitten durch Beirut, wo sich Christen und Muslime abgeschlachtet haben…“
Grob gesagt leben im Libanon drei Bevölkerungsgruppen: Sunniten, Schiiten und Christen. Bei genauerer Betrachtung erfährt man jedoch jedoch, dass jede Ethnie noch mindestens drei Untergruppen hat. Und es scheint, dass sich im Bürgerkrieg mehr oder weniger alle gegenseitig bekämpft haben. Dazu kamen noch die Syrer und die Israelis. Und alle paar Jahre hat die einer oder andere Partei wieder einmal die Seite gewechselt. Kurz gesagt, ein riesen Chaos.
Heute ist Beirut aber auch eine Partystadt mit vielen Bars und Clubs. Makabererweise wurde in dem Klub, welchen wir besuchten, neben bester elektronischer Musik, Clips von Atombomben und Naziaufnahmen auf Flachbildschirmen an den Wänden gezeigt. Auf einer Bühne stand zudem ein Motorrad auf welchem sich eine halb nackte Tänzerin, mehr oder weniger elegant, rum rankte. „More silicon than in Miami“, hiess es in einem Reiseführer über Beirut. Und es scheint tatsächlich so, als ob mindestens jede 2te Frau in Beirut schon eine Schönheits-OP hinter sich hat.
Fährt man allerdings ein wenig mit dem Auto aus dem Zentrum raus, so kann man sich plötzlich in Quartieren unter Hisbollah Einfluss befinden. Hier sind an den Wänden anstatt leicht bekleideter Damen, bärtige Männer, schiitische geistliche Führer inkl. Ayatollah Khamenei, zu sehen. In einer so genannten Hisbollah Hochburg, welche wir besuchten, konnte man Geld in eine Meter hohe Gewehrkugel spenden. Immerhin weiss man da, wofür man sein Geld ausgibt.








